Was will Atlas-Zukuenfte

Mehr als 400 Jahre sind vergangen seit Abraham Ortelius mit seinem Theatrum Orbis Terrarum den ersten Atlas veröffentlichte. Seither hat diese Form der organisierten Sammlung von Karten eine Erfolgsgeschichte erlebt und so ikonenhafte Typen wie den Schulatlas, den Straßenatlas oder den historischen Atlas hervorgebracht. Die starke inhaltliche Diversifizierung des Atlasbegriffs zeigt sich auch über die Grenzen der Geographischen Disziplin hinaus – im Jahr 2014 wurden fast so viele medizinische wie geographische Atlanten verlegt. Neben dieser thematischen Auffächerung haben in den letzten 30 Jahren zahlreiche neue Publikationsformen begünstigt durch den rasanten digital-technischen Fortschritt immer neue Nischen für Atlanten eröffnet.

Dass vor diesem Hintergrund immer von der Totenglocke für gedruckte Atlanten gesprochen wird, hat der Atlasboom in Frankreich eindrucksvoll wiederlegt. Dennoch scheint die Diskussion welche Publikationsform, welche Leser in welchem Maße anspricht und hierbei meist nur auf medienspezifische Eigenschaften Bezug nimmt, in eine Sackgasse zu führen. Es scheint an der Zeit, Atlanten anders zu denken und Konzepte zu entwickeln, die inhaltliche Strukturen mit technischen Entwicklungen, der Verfügbarkeit geographischer Information und der Neuorganisation von Wissen vor dem Hintergrund einer heterogenen – ja häufig nicht näher definierten – „Nutzerschaft“ rekombinieren.

„Atlaszukünfte“ will zum transdisziplinärem Querdenken anregen und zugleich eine erste Antwort auf die Frage „Wie können die Atlanten der Zukunft aussehen?“ geben.